Das ist das Verhalten, das toxische Kollegen am Arbeitsplatz zeigen, laut Psychologie
Montags im Büro, der Kaffee ist noch warm, und plötzlich dreht sich dir der Magen um. Nicht wegen der To-Do-Liste oder dem Meeting um zehn. Nein, es ist diese eine Person. Die, die es irgendwie schafft, die Luft im Raum dicker zu machen, sobald sie auftaucht. Falls du jetzt nickst, bist du nicht allein. Organisationspsychologen haben längst herausgefunden, dass nicht die Arbeitsbelastung der Hauptgrund für Jobfrust ist. Es sind die Menschen um uns herum – genauer gesagt: die toxischen Kollegen, die uns das Leben schwer machen.
Die gute Nachricht? Toxisches Verhalten folgt Mustern, die man erkennen kann. Die schlechte? Bis du diese Muster durchschaut hast, haben sie oft schon ordentlich Schaden angerichtet. Arbeitsplätze mit toxischen Kollegen zeigen eine bis zu 54 Prozent höhere Fluktuation. Menschen kündigen nicht ihren Job – sie kündigen den unerträglichen Kollegen, der ihnen jeden Tag die Energie raubt.
Warum toxische Kollegen gefährlicher sind als miese Chefs
Jeder beschwert sich über schlechte Vorgesetzte. Die sind leicht zu identifizieren: zu viel Kontrolle, zu wenig Wertschätzung, katastrophale Kommunikation. Aber toxische Kollegen? Die fliegen oft unter dem Radar. Sie haben keine offizielle Macht über dich, und genau das macht sie so tückisch. Sie arbeiten im Verborgenen, mit subtilen Techniken, die dich ratlos zurücklassen. War das gerade wirklich passiert? Oder bilde ich mir das nur ein?
Forscher sprechen hier von sozialer Kontagion – einem Prozess, bei dem sich negatives Verhalten wie ein Virus ausbreitet. Die bekannte Warrington-Studie zur ansteckenden Unhöflichkeit hat gezeigt, dass bereits das bloße Beobachten von respektlosem Verhalten ausreicht, damit Menschen selbst unhöflicher werden. Es ist wie emotionales Niesen: Einer fängt an, und plötzlich steckt sich das ganze Team an. Mikroaggressionen, passive Kommentare und subtile Sticheleien verbreiten sich schneller, als du „Teambuilding“ sagen kannst.
Die Verhaltensweisen, auf die du achten solltest
Der Meister der subtilen Manipulation
Dieser Kollege ist ein echter Profi. Er sagt nie direkt, was er meint, sondern arbeitet mit Andeutungen, vagen Versprechungen und strategisch platzierten Kommentaren. „Oh, ich hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet DU dieses Projekt übernimmst“ – klingt harmlos, sticht aber wie ein kleiner Pfeil. Bin ich etwa nicht qualifiziert genug?
Organisationspsychologen beobachten, dass diese Form der Manipulation besonders heimtückisch ist, weil sie schwer zu fassen ist. Du kannst nicht zu HR marschieren und sagen: „Er hat SO geguckt, als ich meine Idee präsentiert habe.“ Aber dein Selbstvertrauen bröckelt trotzdem, Stück für Stück. Solche Menschen nutzen emotionale Verunsicherung als Werkzeug, um sich selbst besser dastehen zu lassen. Das Gemeine daran: Du beginnst irgendwann, an dir selbst zu zweifeln, nicht an der Person, die dich manipuliert.
Die Saboteurin der Erfolge anderer
Sie gratuliert dir zum erfolgreichen Projektabschluss – und erwähnt dann beiläufig im nächsten Meeting, dass „die Grundidee ja eigentlich von ihr kam“ oder dass „der Kunde anfangs gar nicht so begeistert war“. Zack, dein Moment ist ruiniert, dein Erfolg relativiert.
Dieses Verhalten hat einen Namen: narzisstische Dynamik in Gruppen. Menschen mit stark ausgeprägtem Egoismus können den Erfolg anderer schlicht nicht ertragen, weil er ihre eigene Position zu bedrohen scheint. Also minimieren sie ihn, reden ihn klein oder – noch perfider – eignen sich Teile davon an. Untersuchungen zeigen, dass Narzissmus im Teamkontext zu höherer Konfliktfrequenz und geringerer Teamleistung führt. Der Saboteur fühlt sich nur gut, wenn andere schlecht aussehen.
Der passive Aggressor mit der losen Zunge
Direkte Konfrontation? Niemals. Aber zufällig mitbekommen, dass du angeblich beim Chef schlecht wegkommst? Ständig. Dieser Kollege verbreitet Gerüchte, verdreht Aussagen und sorgt dafür, dass wichtige Informationen „verloren gehen“ – natürlich immer völlig unabsichtlich, versteht sich.
Passive Aggression ist laut Arbeitspsychologen eine der toxischsten Verhaltensformen im Büro, weil sie das Fundament jeder Zusammenarbeit zerstört: Vertrauen. Wenn du nicht mehr weißt, ob die freundliche E-Mail ehrlich gemeint ist oder ob hinter deinem Rücken schon die nächste Intrige gesponnen wird, ist produktives Arbeiten unmöglich. Forschung bestätigt, dass passiv-aggressives Verhalten zu erhöhtem Stress und deutlich geringerer Jobzufriedenheit führt. Du bist ständig auf der Hut, und das kostet Energie.
Der Informations-Geizhals
Wissen ist Macht – und dieser Kollege hortet es wie einen Schatz. Wichtige Meeting-Notizen? „Hab ich vergessen zu teilen.“ Kontaktdaten vom Kunden? „Muss ich erst raussuchen.“ Der Prozess, der deine Arbeit um Stunden erleichtern würde? „Ist kompliziert zu erklären, da müsstest du dich selbst einarbeiten.“
Diese bewusste Informationsvorenthaltung ist ein klassisches Machtspiel. Menschen, die sich in ihrer Position unsicher fühlen, versuchen oft durch Wissensmonopole, sich unersetzlich zu machen. Untersuchungen zum Phänomen „Knowledge Hiding“ zeigen, dass Mitarbeiter, die Informationen zurückhalten, dies häufig aus Unsicherheit tun – mit dem Ergebnis, dass die Teamproduktivität um bis zu 20 Prozent sinkt. Das Problem: Sie blockieren nicht nur deine Arbeit, sondern schaden dem gesamten Team.
Der chronische Pessimist und Energie-Vampir
Egal welche Idee auf den Tisch kommt – dieser Kollege findet garantiert zehn Gründe, warum sie nicht funktionieren wird. „Das haben wir schon mal versucht.“ „Die Geschäftsführung macht eh nicht mit.“ „Dafür haben wir kein Budget.“ „Das klappt nie.“
Konstante Negativität ist ansteckender als du denkst. Psychologen sprechen von emotionaler Erschöpfung durch Proximity – du wirst müde, einfach nur weil du in der Nähe einer permanent negativen Person bist. Forschungsergebnisse belegen, dass sich negative Stimmung in Teams ausbreitet und die kreative Leistung um 15 bis 30 Prozent senken kann. Diese Kollegen drücken nicht nur die Motivation, sie ersticken buchstäblich innovative Ideen, bevor sie überhaupt eine Chance haben.
Der unzuverlässige Chaot
Deadlines? Eher unverbindliche Vorschläge. Absprachen? Gedankenspiele. Dieser Kollege lässt dich ständig im Stich, entschuldigt sich charmant und macht dann exakt dasselbe noch einmal. Das Perfide daran: Du wirst zum Aufräumer seines Chaos, weil am Ende ja das Projekt geliefert werden muss – und du bist diejenige, die nicht will, dass alles gegen die Wand fährt.
Chronische Unzuverlässigkeit ist eine Form von passiver Sabotage. Ob bewusst oder unbewusst spielt keine Rolle – das Ergebnis ist dasselbe: Du arbeitest doppelt, während er mit minimalem Einsatz durchkommt. Und das Schlimmste? Oft werden solche Menschen als „liebenswerte Chaoten“ wahrgenommen, während du als humorlose Perfektionistin dastehst, wenn du auf Verbindlichkeit pochst. Forschung zu kontraproduktivem Arbeitsverhalten klassifiziert dies als schädliches Muster mit nachweislich negativen Auswirkungen auf die Teamleistung.
Was diese Verhaltensweisen in deinem Kopf anrichten
Jetzt wird es ernst. Toxische Kollegen sind nicht nur nervig oder anstrengend – sie können echten psychologischen Schaden anrichten. Wenn du täglich mit Manipulation, Sabotage oder passiver Aggression konfrontiert bist, passiert etwas in deinem Gehirn: Dein Stresslevel bleibt chronisch erhöht.
Anders als bei akutem Stress, der kommt und geht – schwierige Präsentation, enge Deadline, komplexes Problem – geht dieser Dauerstress nie runter. Dein Körper bleibt im Alarmzustand. Die Folgen reichen von Schlafstörungen über Konzentrationsschwierigkeiten bis hin zu ernsthaften Erschöpfungszuständen. Organisationspsychologen beobachten, dass Menschen in toxischen Arbeitsumgebungen häufiger krankgeschrieben sind und ein deutlich höheres Risiko für Burnout haben.
Aber es geht noch tiefer: Toxische Kollegen kratzen an deinem Selbstwert. Wenn dir permanent suggeriert wird, dass deine Arbeit nicht gut genug ist, deine Ideen nichts taugen oder du „zu empfindlich“ bist, beginnst du irgendwann, es zu glauben. Psychologen nennen das Gaslighting im beruflichen Kontext – deine Wahrnehmung der Realität wird systematisch in Frage gestellt, bis du nicht mehr weißt, was eigentlich stimmt.
Warum du diese Muster unbedingt erkennen solltest
Das Erkennen ist der erste und entscheidende Schritt zur Veränderung. Solange du dir nicht sicher bist, ob das Verhalten deines Kollegen tatsächlich problematisch ist oder ob du „einfach überreagierst“, bleibst du handlungsunfähig. Du steckst fest in einem Zustand der Selbstzweifel.
Arbeitspsychologen betonen, dass das Benennen toxischer Verhaltensmuster dir deine Handlungsmacht zurückgibt. Wenn du verstehst: „Aha, das ist klassische Informationsvorenthaltung als Machtspiel“, dann bist du nicht mehr verwirrt oder verunsichert. Du siehst die Strategie dahinter – und kannst entsprechend reagieren. Es ist der Unterschied zwischen „Was stimmt mit mir nicht?“ und „Was läuft hier eigentlich ab?“
Je früher du solche Muster erkennst, desto besser kannst du dich schützen. Du musst nicht Jahre in einem toxischen Umfeld ausharren, bis es dich aufgefressen hat. Du kannst Grenzen setzen, Unterstützung suchen und notfalls Konsequenzen ziehen – aber nur, wenn du weißt, womit du es zu tun hast.
Was du konkret tun kannst, ohne selbst toxisch zu werden
Du hast die Muster erkannt. Und jetzt? Die Versuchung ist groß, mit denselben Waffen zurückzuschlagen. Aber hier kommt der entscheidende Unterschied zwischen dir und deinem toxischen Kollegen: Du willst kein vergiftetes Arbeitsklima schaffen – du willst ein gesundes.
- Dokumentiere konkret: Schreib auf, was passiert ist, wann und in welchem Kontext. Nicht emotional, sondern faktisch. „Am 15. März, 14 Uhr, Meeting XY: Kollege unterbricht mich dreimal, wechselt dann das Thema.“ Das hilft dir, Muster zu erkennen und gibt dir Material, falls du das Gespräch mit Vorgesetzten suchst.
- Setze klare Grenzen: Wenn jemand deine Arbeit klein redet, sag es direkt: „Ich nehme wahr, dass du meine Ideen oft sofort kritisierst. Das ist nicht hilfreich. Ich brauche konstruktives Feedback, keine pauschale Ablehnung.“ Überraschend oft reicht es, toxisches Verhalten sichtbar zu machen, damit es aufhört.
- Bau dir ein Support-Netzwerk: Sprich mit vertrauenswürdigen Kollegen. Oft wirst du feststellen: Du bist nicht allein. Andere haben dieselben Erfahrungen gemacht. Das validiert deine Wahrnehmung und gibt dir Rückhalt.
- Schütze deine Energie: Du musst nicht jeden Kampf kämpfen. Manchmal ist die beste Strategie, emotional Distanz zu schaffen. Der toxische Kollege bekommt keine emotionale Reaktion mehr von dir – du bleibst professionell, sachlich und ungerührt. Das entzieht vielen Manipulationstaktiken den Boden.
- Hol dir professionelle Hilfe: Wenn die Situation eskaliert oder du merkst, dass es deine psychische Gesundheit angreift, zögere nicht, das Gespräch mit HR, einem Coach oder einem Therapeuten zu suchen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke, deine Grenzen zu kennen.
Die verborgene Bedeutung hinter den Mustern
Was all diese toxischen Verhaltensweisen gemeinsam haben: Sie entspringen oft aus eigener Unsicherheit und dem Gefühl der Machtlosigkeit. Menschen, die manipulieren, sabotieren oder lästern, tun das selten aus einer Position der Stärke. Es sind Bewältigungsstrategien – zugegebenermaßen extrem schlechte – um mit eigenen Ängsten und Unzulänglichkeiten umzugehen.
Das entschuldigt nichts. Aber es hilft dir, die Dynamik zu verstehen. Du bist nicht das Problem. Deine Kompetenz bedroht den toxischen Kollegen. Dein Erfolg macht seine Defizite sichtbar. Deine gesunden Grenzen konfrontieren ihn mit seinen eigenen fehlenden Grenzen.
Organisationspsychologen betonen, dass toxische Arbeitsumgebungen selten durch eine einzige Person entstehen – sie entstehen, weil solches Verhalten toleriert oder sogar indirekt belohnt wird. Ein System, das Manipulation durchgehen lässt, Intrigen ignoriert und Sabotage als „halt schwierige Persönlichkeit“ abtut, schafft die Voraussetzungen dafür, dass sich solche Muster überhaupt festsetzen können. Toxische Kollegen sind oft das Symptom, nicht die Ursache einer dysfunktionalen Unternehmenskultur.
Dein Recht auf ein gesundes Arbeitsumfeld
Du verbringst einen riesigen Teil deines Lebens bei der Arbeit. Wenn diese Zeit von toxischen Menschen vergiftet wird, leidet nicht nur deine Karriere – es leidet dein gesamtes Wohlbefinden, deine Gesundheit, deine Lebensqualität.
Du hast das Recht auf ein Arbeitsumfeld, in dem du nicht ständig auf der Hut sein musst. Wo deine Ideen gehört werden, ohne dass sie jemand klaut oder zerrredet. Wo Feedback konstruktiv ist, nicht destruktiv. Wo Zusammenarbeit tatsächlich bedeutet, dass alle am selben Strang ziehen – nicht gegeneinander arbeiten.
Das mag idealistisch klingen, aber es ist machbar. Unternehmen, die psychologische Sicherheit ernst nehmen und toxische Verhaltensweisen konsequent ansprechen, haben messbar zufriedenere, produktivere und loyalere Teams. Die Forschung ist eindeutig: Gesunde Arbeitsbeziehungen sind nicht nur nett zu haben – sie sind entscheidend für langfristigen Erfolg, sowohl individuell als auch auf Organisationsebene.
Schau genau hin. Benenne, was du siehst. Schütze deine Grenzen. Und wenn das Umfeld sich nicht ändert, obwohl du es angesprochen hast – dann hast du die Macht, dein Umfeld zu ändern. Denn ein Job sollte dich fordern, fördern und vielleicht manchmal stressen – aber er sollte dich niemals emotional zerstören oder an dir selbst zweifeln lassen.
Die Muster zu erkennen ist der erste Schritt zur Veränderung. Du kennst sie jetzt. Du kannst nicht mehr so tun, als wärst du machtlos. Du hast die Werkzeuge, um toxisches Verhalten zu identifizieren, dich davor zu schützen und im besten Fall dazu beizutragen, dass sich die Kultur verändert. Nutze dieses Wissen. Deine psychische Gesundheit und deine Karriere werden es dir danken.
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