Was bedeutet es, wenn ein Erwachsener noch immer die gleichen Vorlieben wie in seiner Kindheit hat, laut Psychologie?

Warum du mit 35 immer noch die gleichen Dinge liebst wie mit 8 – und was dein Gehirn damit zu tun hat

Okay, Geständniszeit: Du bist erwachsen. Du hast einen Job, zahlst Rechnungen, gehst zu Arzterminen und tust all diese Erwachsenen-Dinge. Aber wenn du ehrlich bist? Du isst immer noch am liebsten Spaghetti mit Ketchup, hörst die gleichen Songs wie in der fünften Klasse und könntest stundenlang die gleichen Filme schauen, die du schon mit zehn geliebt hast. Und heimlich fragst du dich manchmal: Bin ich irgendwie nicht richtig erwachsen geworden?

Plot Twist: Die Psychologie sagt, dass genau das Gegenteil der Fall sein könnte. Das Festhalten an Vorlieben aus deiner Kindheit ist nicht nur total normal – es könnte sogar ein Zeichen dafür sein, dass du emotional gesünder bist, als du denkst. Klingt verrückt? Lass mich dir erklären, was wirklich hinter diesem Phänomen steckt und warum dein inneres Kind möglicherweise dein bester Freund ist.

Dein inneres Kind ist real – und die Wissenschaft kann das beweisen

Bevor du jetzt denkst, wir reden hier über esoterischen Kram: Das Konzept des inneren Kindes hat tatsächlich psychologische Wurzeln. Der Psychologe Nathaniel Branden entwickelte die Theorie der Teilpersönlichkeiten, die besagt, dass jeder von uns verschiedene Ich-Zustände in sich trägt – und einer davon ist das Kind-Selbst. Dieses Kind-Selbst verschwindet nicht magisch an deinem achtzehnten Geburtstag. Es bleibt ein aktiver Teil deiner Persönlichkeit und meldet sich regelmäßig zu Wort.

Was bedeutet das konkret? Wenn du als Erwachsener plötzlich Lust auf die gleichen Gummibärchen hast, die du als Kind geliebt hast, oder wenn du bei einem bestimmten Lied sofort gute Laune bekommst, dann ist das dein Kind-Selbst, das durchkommt. Und laut Branden ist das nicht nur okay – es ist sogar wichtig für deine emotionale Gesundheit. Menschen, die diesen Teil komplett unterdrücken, erleben häufiger innere Konflikte und fühlen sich von sich selbst entfremdet.

Hier wird’s interessant: Branden erklärt, dass positive Ausdrücke dieses Kind-Selbst – wie spontanes Lachen, Verspieltheit oder eben diese Vorlieben – Zeichen einer gesunden Integration sind. Wenn du also mit fünfunddreißig noch immer gerne die gleichen Dinge tust wie früher, könnte das bedeuten, dass du einen authentischen Zugang zu deinen ursprünglichen emotionalen Bedürfnissen hast. Das ist kein Stillstand – das ist emotionale Kontinuität.

Warum dein Gehirn manche Dinge niemals vergisst

Jetzt wird’s neurologisch spannend. Der britische Psychologe John Bowlby hat mit seiner Bindungstheorie etwas Faszinierendes herausgefunden: Unsere frühesten Erfahrungen – besonders in den ersten Lebensjahren – schaffen sogenannte innere Arbeitsmodelle in unserem Gehirn. Das sind im Grunde emotionale Landkarten, die uns ein Leben lang begleiten und uns zeigen, was sicher ist, was uns gut tut und worauf wir uns verlassen können.

Deine Mutter hat dir als Kind immer heiße Schokolade gemacht, wenn du aus der Schule kamst? Dein Gehirn hat dabei eine neuronale Verbindung geschaffen: heiße Schokolade gleich Geborgenheit gleich zu Hause sein. Diese Verbindung bleibt bestehen. Deshalb greifst du mit vierzig vielleicht immer noch zur heißen Schokolade, wenn du dich nach Sicherheit sehnst. Dein Gehirn aktiviert automatisch dieses alte Arbeitsmodell.

Die berühmte ACE-Studie aus den Neunzigern hat das noch weiter untermauert: Kindheitserfahrungen hinterlassen tatsächlich nachweisbare neuronale Muster, die bis ins Erwachsenenalter wirken. Das heißt, deine Vorlieben sind nicht einfach nur Gewohnheiten – sie sind buchstäblich in deiner Gehirnstruktur verankert. Dein Gehirn läuft quasi auf einem emotionalen Autopiloten, der in deiner Kindheit programmiert wurde.

Nostalgie ist deine geheime Superkraft

Lange Zeit hatten Nostalgie und das Festhalten an der Vergangenheit einen ziemlich schlechten Ruf. Wer nostalgisch war, galt als rückwärtsgewandt, als jemand, der im Leben nicht weiterkommt. Aber – und jetzt kommt der überraschende Teil – die moderne Psychologie hat diese Sichtweise komplett auf den Kopf gestellt.

Forschungen zeigen, dass Nostalgie tatsächlich wichtige psychologische Funktionen erfüllt: Sie gibt uns ein Gefühl von Kontinuität in einer Welt, die sich ständig verändert. Sie stärkt unser Selbstwertgefühl, indem sie uns daran erinnert, wer wir im Kern sind. Und sie hilft uns, mit Unsicherheit umzugehen, indem sie uns emotionale Anker bietet.

Wenn du also als Erwachsener noch die gleichen Bücher liest, die gleiche Musik hörst oder die gleichen Hobbys pflegst wie in deiner Kindheit, dann nutzt du diese Vorlieben als emotionale Stabilisatoren. In Zeiten von Stress oder Veränderung – und seien wir ehrlich, das Erwachsenenleben ist im Grunde eine endlose Serie von Stress und Veränderung – bieten diese vertrauten Dinge Halt. Sie sind wie ein psychologischer Rettungsanker, der dich daran erinnert: Hey, du warst schon mal du selbst, und das hat funktioniert.

Der Unterschied zwischen gesund und festgefahren

Natürlich gibt es auch eine Kehrseite. Nicht jede Form des Festhaltens an der Vergangenheit ist automatisch gesund. Die Psychologie unterscheidet hier zwischen zwei Varianten:

  • Adaptive Nostalgie: Du genießt deine alten Vorlieben, bleibst aber gleichzeitig offen für neue Erfahrungen. Du hörst deine Lieblingslieder aus der Kindheit, entdeckst aber auch neue Musik. Du isst gerne die Gerichte von früher, probierst aber auch mal was Neues. Diese Form gibt dir emotionale Ressourcen, ohne dich einzuschränken.
  • Maladaptive Fixierung: Du klammerst dich ausschließlich an die Vergangenheit und lehnst alles Neue kategorisch ab. Du isst buchstäblich nur die drei Gerichte, die du als Kind mochtest. Du hörst nur Musik aus deiner Jugend und findest alles andere schrecklich. Das kann ein Hinweis darauf sein, dass du versuchst, ungelöste emotionale Bedürfnisse zu kompensieren.

Der Schlüssel liegt in der Balance. Wenn deine Kindheitsvorlieben eine Ergänzung zu deinem erwachsenen Leben sind – großartig. Wenn sie zum Ersatz für ein erfülltes Leben werden – vielleicht Zeit, genauer hinzuschauen.

Was diese alten Ich-Zustände über dich verraten

Hier kommt ein Konzept ins Spiel, das richtig faszinierend ist: alte Ich-Zustände. Bestimmte emotionale Zustände aus unserer Kindheit können quasi eingefroren werden und später im Erwachsenenleben wieder aktiviert werden. Das passiert oft durch ganz spezifische Trigger – einen Geruch, ein Lied, einen Geschmack.

Kennst du das? Du riechst plötzlich einen bestimmten Duft und bist sofort wieder acht Jahre alt und auf dem Spielplatz? Das ist kein Zufall. Das ist dein Gehirn, das einen alten Ich-Zustand aktiviert. Und deine anhaltenden Vorlieben funktionieren genauso. Wenn du mit vierzig noch immer die gleiche Sportart betreibst wie dein Vater oder die gleichen Hobbys pflegst wie in deiner Kindheit, dann aktivierst du damit nicht nur Erinnerungen – du aktivierst die gesamte emotionale Landschaft, die mit diesen Dingen verbunden ist.

Das erklärt auch, warum manche Kindheitsvorlieben so eine intensive emotionale Reaktion auslösen. Es geht nicht nur um das Ding selbst – es geht um alles, was damit verknüpft ist. Das Gefühl von Sicherheit, von Zugehörigkeit, von „die Welt war in Ordnung“.

Wenn Vorlieben eigentlich unerfüllte Bedürfnisse sind

Manchmal – und das ist der Teil, wo es etwas komplizierter wird – können anhaltende Kindheitsvorlieben auch auf ungelöste emotionale Bedürfnisse hinweisen. Aber bevor du jetzt in Panik verfällst: Das ist nicht per se negativ. Es ist einfach Information über dich selbst.

Beispiel: Vielleicht hattest du als Kind nie genug Aufmerksamkeit von deinen Eltern und hast gelernt, dich mit stundenlangem Lesen zu trösten. Als Erwachsener liest du immer noch exzessiv – nicht nur, weil du Bücher liebst, sondern weil Lesen ein Bedürfnis nach Selbstberuhigung erfüllt, das damals entstanden ist. Das ist kein Defekt. Das ist deine Psyche, die versucht, für sich zu sorgen.

Die spannende Frage ist: Dient dir diese Vorliebe heute noch, oder ist sie zu einem automatischen Muster geworden, das dich eigentlich einschränkt? Wenn deine Kindheitsvorlieben dir Freude bereiten und dein Leben bereichern – perfekt. Wenn sie dich davon abhalten, neue Erfahrungen zu machen oder dich weiterzuentwickeln – vielleicht lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Warum wir in Krisenzeiten zu Kindheitsdingen zurückkehren

Hast du während der Pandemie angefangen, wieder zu puzzeln? Oder alte Serien aus deiner Jugend geschaut? Oder plötzlich wieder Brot gebacken wie bei Oma? Du warst nicht allein. Millionen Menschen haben das gleiche gemacht – und das war kein Zufall. Das war ein psychologischer Schutzmechanismus am Werk.

In Zeiten von extremem Stress, Unsicherheit oder Veränderung greift unser Gehirn instinktiv auf Dinge zurück, die ihm vertraut sind. Psychologen nennen das Sicherheitsverhalten oder emotionale Anker. Diese Verhaltensweisen helfen uns, uns geerdet zu fühlen, wenn um uns herum die Welt wackelt. Und was ist vertrauter als die Dinge, die uns schon als Kind Sicherheit gegeben haben?

Dein Gehirn ist im Grunde ein Überlebenskünstler. Wenn die Gegenwart zu überwältigend wird, aktiviert es Erinnerungen und Vorlieben aus einer Zeit, in der die Welt noch überschaubar war. Das ist nicht Flucht – das ist psychologische Selbstfürsorge. Deine Kindheitsvorlieben werden zu einer Art emotionalem Erste-Hilfe-Kit, auf das du in schwierigen Momenten zurückgreifen kannst.

Was deine Vorlieben wirklich über deine Identität aussagen

Jetzt kommt der Teil, der wirklich wichtig ist: Deine anhaltenden Vorlieben könnten tatsächlich ein Fenster zu deinem authentischen Selbst sein. Denk mal darüber nach. Als Kind hatten wir noch nicht gelernt, was cool ist, was von uns erwartet wird oder was gesellschaftlich akzeptiert ist. Wir mochten einfach, was wir mochten – ohne Filter, ohne Selbstzensur.

Wenn du als Erwachsener feststellst, dass du immer noch die gleichen Dinge magst wie damals, könnte das bedeuten, dass du einen direkten Draht zu deinem ursprünglichen, unverfälschten Selbst hast. Du hast dir nicht von außen diktieren lassen, wer du sein sollst oder was du mögen darfst. Das ist tatsächlich ein Zeichen von psychologischer Stärke und Authentizität – nicht von mangelnder Reife.

Nathaniel Branden betonte in seiner Arbeit, dass Menschen, die den Kontakt zu ihrem Kind-Selbst verlieren, oft ein Gefühl der inneren Leere oder Entfremdung erleben. Sie funktionieren als Erwachsene, aber irgendetwas fehlt. Die Verbindung zu den Dingen, die uns als Kinder Freude bereitet haben, kann wie ein Kompass funktionieren, der uns zurück zu unserem wahren Selbst führt.

Emotionale Kontinuität als Zeichen von Gesundheit

Hier kommt etwas, das wirklich überraschend ist: Menschen, die komplett mit ihrer Vergangenheit brechen und keinerlei Verbindung zu ihrem früheren Selbst haben, zeigen oft Anzeichen von Dissoziation oder unverarbeiteten Traumata. Emotionale Kontinuität – also eine durchgängige Verbindung zwischen dem, wer du warst, und dem, wer du bist – gilt in der Psychologie als Zeichen psychischer Gesundheit.

Deine Kindheitsvorlieben sind wie ein roter Faden, der sich durch dein Leben zieht. Sie erzählen die Geschichte deiner Entwicklung und zeigen, dass es trotz aller Veränderungen, die das Erwachsenwerden mit sich bringt, einen stabilen Kern gibt. Dieser Kern bist du – das authentische Du, das unter all den Erwartungen, Rollen und Verantwortungen des Erwachsenenlebens manchmal unsichtbar wird.

Was du jetzt damit anfangen kannst

Also, was bedeutet das alles für dich ganz konkret? Zunächst einmal: Hör auf, dich dafür zu schämen, dass du mit fünfunddreißig noch immer die gleichen Dinge magst wie mit zehn. Das ist nicht peinlich. Das ist menschlich. Und laut Psychologie könnte es sogar ein Zeichen dafür sein, dass du emotional gesünder bist als Menschen, die krampfhaft versuchen, ihre Vergangenheit abzuschütteln.

Gleichzeitig kann es wertvoll sein, dir manchmal die Frage zu stellen: Welches Bedürfnis erfüllt diese Vorliebe für mich? Nicht um sie zu verurteilen oder abzuschaffen, sondern einfach um dich selbst besser zu verstehen. Vielleicht entdeckst du dabei emotionale Muster, die dir helfen, bewusster durchs Leben zu gehen.

Wenn du merkst, dass eine Kindheitsvorliebe dir heute Freude bereitet, dich entspannt oder dir ein Gefühl von Verbundenheit mit dir selbst gibt – großartig. Genieß es. Das ist dein inneres Kind, das sich meldet und sagt: Hey, ich bin noch da, und ich erinnere mich an das, was uns wirklich wichtig ist.

Wenn du allerdings feststellst, dass du ausschließlich in der Vergangenheit lebst und jede neue Erfahrung ablehnst, könnte es hilfreich sein, professionelle Unterstützung zu suchen. Nicht weil etwas mit dir grundsätzlich nicht stimmt, sondern weil deine Psyche dir vielleicht sagen möchte, dass da noch ungelöste emotionale Bedürfnisse sind, die Aufmerksamkeit brauchen.

Dein inneres Kind ist dein Verbündeter

Die Psychologie zeigt uns etwas Wunderbares: Das Festhalten an Vorlieben aus der Kindheit ist nicht Stillstand – es ist Selbstkenntnis. Es ist die Fähigkeit, trotz aller Veränderungen des Erwachsenenlebens eine Verbindung zu dem Teil von dir aufrechtzuerhalten, der weiß, was echte, ungefilterte Freude bedeutet.

Die Theorien von Nathaniel Branden zur Teilpersönlichkeit, John Bowlbys Erkenntnisse zu inneren Arbeitsmodellen und die Forschung zu emotionalen Ich-Zuständen geben uns ein klares Bild: Unser Kind-Selbst ist kein Relikt, das überwunden werden muss. Es ist ein integraler Bestandteil dessen, wer wir sind. Es zu unterdrücken führt zu inneren Konflikten. Es anzunehmen führt zu Ganzheit.

Also, wenn du das nächste Mal beim Einkaufen zu den gleichen Snacks greifst wie mit zwölf, bei den gleichen Liedern mitsingst oder die gleichen Hobbys pflegst – feier es. Du bist nicht steckengeblieben. Du hast nur verstanden, was viele Erwachsene vergessen: dass ein Teil unserer Stärke darin liegt, uns daran zu erinnern, wer wir waren, bevor uns jemand gesagt hat, wer wir sein sollen.

Dein inneres Kind ist kein Problem, das gelöst werden muss. Es ist ein Geschenk, das Aufmerksamkeit verdient. Und manchmal sagt es einfach: Ich hätte gerne diese bestimmten Cornflakes. Und weißt du was? Das ist völlig in Ordnung.

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